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Körnerbrut herstellen
Körnerbrut herstellen
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Was ist Körnerbrut?

Körnerbrut ist eine kleine Geheimwaffe bei der Pilzkultivierung. Sie wird aus sterilisierten Körnern und Myzel hergestellt. Das Getreide enthält eine Menge wertvolle Nährstoffe, die das Myzel konsumieren und dadurch wachsen kann. Die meisten Pilzzuchtanleitungen empfehlen eine Sporenspritze zu verwenden. Ich finde aber, dass Körnerbrut viel besser zum Beimpfen von Substrat geeignet ist.

Der Vorteile liegt klar auf der Hand. Körnerbrut lässt sich leicht herstellen, ist billig und man kann sie in einem sehr großen Verhältnis vervielfachen. Mit einem Joghurtglas lassen sich bis zu hundert weitere herstellen, den theoretisch genügt ein einzelnes, kolonisiertes Korn. Da sie so leicht herzustellen ist, muss man auch nicht sparsam damit umgehen. Dadurch kann man viel Körnerbrut zum Beimpfen verwenden. Das wiederum gibt dem Myzel mehr Angriffsfläche, um das Substrat zu kolonisieren, was wiederum dafür sorgt, dass die Kolonisierung schneller geht.

Es gibt eigentlich kaum Nachteile für Körnerbrut. Der Einzige, der mir jetzt spontan einfällt, ist, dass sie Platz benötigt. Schließlich musst du irgendwo deine Joghurtgläser hinstellen. Da sind Sporenspritzen leichter zu verstauen. Aber da Körnerbrut schnell und simpel herzustellen ist, kannst du sie jederzeit ein bis zwei Wochen ansetzen, bevor du neue Substratblöcke herstellen willst.

Wie wird Körnerbrut hergestellt?

Körnerbrut wird hergestellt, indem eine Pilzkultur genommen und auf sterilisiertem Getreide angesetzt wird. Zuallererst muss das Getreide aber noch vorbereitet werden. Das bedeutet eine Nacht in ein Wasserbad einlegen, damit sich die Körner vollsaugen können. Anschließend müssen sie noch in einem Dampfdruckkochtopf sterilisiert werden.

Nachdem alles schön steril und keimfrei ist, werden sie mit einer Pilzkultur beimpft. Dafür kannst du entweder eine Sporenspritze verwenden, andere Körnerbrut, Myzel von einer Petrischale oder alternativ auch ein Stück eines Pilzes, den du im Supermarkt gekauft hast.

Nach ein paar Tagen bzw. Wochen, je nachdem, welche Art von Pilz du verwendest, sollten die Körner dann komplett von Myzel überwachsen sein. Danach kannst du es weiterverwenden, um Substratblöcke zu beimpfen, oder neue Körnerbrut herzustellen.

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Was wird benötigt, um Körnerbrut anzusetzen?

  • 500ml Einmachglas (ich verwende dafür gerne alte Joghurtgläser)
  • Modifizierter Deckel (kann gekauft oder selbst hergestellt werden)
  • Ggf. Watte
  • Getreide
  • Eimer
  • Alufolie
  • Wasser
  • Dampfdruckkochtopf
  • Pilzkultur (Sporenspritze, Petrischale, Flüssigmyzel, …)
  • Isopropyl Alkohol
  • Papiertücher
  • Gummihandschuhe

Bevor du mit dem Prozess beginnst, solltest du daran denken, dass das Getreide zwischen 50-75% an Menge zunimmt, nachdem es sich mit Wasser vollgesaugt hat. Deswegen würde ich für vier 500ml Gläser ca. ein Kilo Getreide verwenden.

Schritt für Schritt Anleitung

Schritt 1: Körner hydrieren

Zuerst müssen sich die Körner mit Wasser vollsaugen. Dadurch hat das Myzel später ausreichend Feuchtigkeit, um zu wachsen. Wenn die Körner zu trocken sind, stirbt das Myzel ab und das wollen wir nicht erreichen.

Am besten nimmst du einen großen Topf und erhitzt darin Wasser, bis es kocht. Dann gibst du das Getreide hinein und lässt den Topf bei mittlerer Hitze ca. 30-60 Minuten auf dem Herd stehen. Theoretisch könntest du für diesen Schritt auch kaltes Wasser verwenden. Heißes Wasser hat jedoch den Vorteil, dass es die Körner „aufsprengt“ und sie sich dadurch besser vollsaugen können. Deswegen solltest du bei kaltem Wasser das Ganze mindestens über Nacht, wenn nicht sogar 24h einlegen.

Die Körner sind fertig, wenn du sie mit deinen Fingern ohne Probleme zerdrücken kannst und das Innere feucht ist.

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Schritt 2: Körner absieben

Anschließend, nachdem deine Körner ausreichend hydriert sind, musst du sie absieben und das übrige Wasser entfernen. Das ist wichtig, denn stehendes Wasser ist ein gefundenes Fressen für Keime und Kontaminationen. Am besten schüttest du dazu den Topf in ein Sieb über der Spüle und lässt die Körner 10-15 Minuten darinstehen. Wenn du anschließend noch sicher gehen willst, dass das Getreide nicht zu feucht ist, kannst du es auch auf einem Tuch ausbreiten und trocken tupfen.

Schritt 3: Gläser präparieren

Solltest du keinen präparierten Deckel verwenden, musst du noch ein Loch in den Deckel stanzen. Ansonsten bekommt das Myzel nicht ausreichend Sauerstoff. Außerdem lässt sich das verschlossene Glas sonst schwer beimpfen. Am leichtesten geht das, indem du einen Hammer und Nagel verwendest. Anschließend stopfst du das Loch noch mit Watte. Dadurch kann Sauerstoff rein und raus, aber keine Kontamination rein

Schritt 4: Gläser abfüllen

Jetzt kannst du die Körner in die Gläser füllen. Die Gläser werden aber noch nicht verschlossen. Stattdessen nimmst du Alufolie, bringst sie in Form eines Deckels und deckst damit die Gläser ab. Die Alufolie sorgt dafür, dass beim Erhitzen im Dampfdruckkochtopf der Druckausgleich da ist und sorgt dafür, dass kein Kondenswasser in die Körner tropft.

Schritt 5: Sterilisieren

Jetzt gibst du einen Aufsatz in deinen Dampfdruckkochtopf und stellst die Gläser darauf. Die Gläser sollten freistehen, damit sie nicht zu heiß werden und platzen. Außerdem solltest du aufpassen, dass die Alufolie des obersten Glases nicht an das Ventil kommt und es verstopfen könnte.

Anschließend füllst du noch ein wenig Wasser ein, verschließt den Topf und erhitzt die Gläser ca. eine Stunde lang. Danach den Kochtopf über Nacht abkühlen lassen.

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Schritt 6: Beimpfen

Nachdem die Körner jetzt keimfrei sind, kannst du sie beimpfen. Am leichtesten geht das mit einer Sporenspritze. Wenn du einen präparierten Deckel hast, kannst du sie in die dafür vorgesehen Öffnung einführen, wenn du einen selbstgebauten Deckel hast, kannst du sie neben der Watte einführen.

Bei einer anderen Kultur wie einer Petrischalenkultur wird das ganze ein wenig komplizierter, da der Deckel abgenommen werden muss. Da solltest du an einem absolut windstillen Ort arbeiten, damit keine Kontamination in das frisch sterilisierte Glas getragen wird.

Nachdem du das Glas beimpft hast, würde ich es noch ein bisschen schütteln um das Impfmaterial gut zu verbreiten.

Schritt 7: Warten

Ab jetzt übernimmt das Myzel die Arbeit. Jetzt heißt es einfach nur abwarten und dem Pilz beim wachsen zusehen. Zuerst sollten alle Körner kolonisiert und mit dünnen, weißen Fäden überzogen werden. Anschließend verdickt sich das Myzel und wird richtig dicht und stark weiß. Danach ist es bereit weiterverarbeitet zu werden. Jetzt kannst du es verwenden um Substratblöcke oder Strohtüten oder was auch immer zu beimpfen. Alternativ kannst du natürlich noch mehr Körnerbrut herstellen. Die Entscheidung bleibt bei dir.

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