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Austernseitlinge zuhause anbauen
Austernseitlinge zuhause anbauen

Was würde besser als erster Blogeintrag passen, als eine Anleitung zum Einstieg in die Pilzzucht anhand des klassischen Anfängerpilzes: dem Austernseitling?

Mit Anfang der ganzen Pandemie im Februar/März 2020 haben sich viele mit einem neuen Problem konfrontiert gesehen: sie sind auf einmal zuhause im Lockdown gesessen und wussten nicht so recht, was sie mit ihrer neuen Freizeit alles anfangen sollen. Deswegen haben sich viele neue Hobbies für zuhause gesucht. Und tatsächlich ist auch der Anteil der Hobbypilzzüchter um einen großen Teil auf einmal gestiegen. Und dieser Trend hat immer noch nicht nachgelassen. Deswegen lese ich oft in Foren, wie man denn am besten mit dem Pilzzuchthobby beginnt. Da es mir zu aufwändig ist jeden Thread zu beantworten, möchte ich heute eine kleine Einführung in das Thema geben und werde dann einfach auf diesen Artikel in Zukunft verlinken.


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Wie steige ich am besten in das Pilzzuchthobby ein?

Ich versuche die Frage kurz und prägnant zu beantworten: indem du dich darüber informierst, wie der Wachstumszyklus eines Pilzes überhaupt aussieht, dir eine Myzelkultur eines leicht zu züchtenden Pilzes wie den Austernseitling nimmst und einfach drauf los züchtest. Denn bekanntermaßen lernt man aus Fehlern und nach ein paar Anläufen wirst du auch deine ersten Erfolge beobachten.

Die lange Antwort möchte ich dir in diesem Artikel geben. Ich werde dir als erstes ein wenig über den Wachstumszyklus der Pilze erzählen und anschließend eine Anleitung geben, wie du am besten Austernseitlinge züchtest.


Der Wachstumszyklus der Pilze

Pilze beginnen ihren Zyklus als Sporen. Diese Sporen keimen nur unter bestimmten Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen sind in der Regel: ausreichend Feuchtigkeit, eine angenehme, passende Temperatur, ausreichend Nährstoffe und ausreichend Sauerstoff. Vorerst ist die Helligkeit noch nicht von großer Bedeutung.

Sobald all diese Voraussetzungen erfüllt sind, bilden die Sporen sogenannte Hyphen. Das sind wie kleine Schläuche, durch die die ganzen Nährstoffe des Pilzes transportiert werden. Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Davon bildet der Pilz Millionen über Millionen. Dadurch entsteht ein riesengroßes Netzwerk, welches man auch Myzel nennt. Dieses Myzel ist in der Regel für den Menschen als weißer „Flausch“ sichtbar. Ein solches Myzelgeflecht kann in der Natur, unter den richtigen Konditionen, sogar mehrere Quadratkilometer groß werden.

Sobald das Geflecht groß genug ist, damit der Pilz ausreichend Nährstoffe aufsaugen kann, beginnt die nächste Phase des Zyklus. Der Pilz expandiert nicht mehr, sondern verdichtet sein Myzel. Anschließend beginnen lauter kleine Punkte sich auf dem Flausch zu bilden. Das sind kleine Primordien. Diese Primordien wachsen jetzt innerhalb ein paar Wochen zu Fruchtkörpern heran. Diese Fruchtkörper bezeichnen wir falscherweise als Pilze. Wie bereits gesagt, eigentlich ist das Myzel der Pilz und der Fruchtkörper nur ein kleiner Teil des Pilzes.

Diese Fruchtkörper, wenn sie groß genug sind, beginnen mit der Sporenproduktion und verteilen diese dann meist mithilfe des Windes in der Umgebung. Anschließend beginnt der Zyklus wieder von vorne.

Damit wir jetzt Erfolg mit der Pilzzucht haben, müssen wir diesen Zyklus so gut wie möglich nachstellen. Und das geht tatsächlich leichter, als du wahrscheinlich gerade denkst. Wie, zeige ich dir in folgendem Abschnitt.


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Austernseitlinge zuhause anbauen

Als erstes gehen wir über die Einkaufsliste. Hier sind all die Dinge, die wir für unsere ersten Zuchtversuche benötigen:

  • Körnerbrut oder eine Sporenspritze des Austernseitlings
  • Hackschnitzel
  • Eimer mit Deckel (welcher kaputt gehen darf)
  • Eine Plastiktüte, welche über den Eimer passt
  • Spritzflasche für Wasser

Als erstes bereiten wir unseren Eimer vor. Dafür müssen wir in regelmäßigen Abständen Löcher bohren. Die benötigen wir, damit unser Myzel auch ausreichend Sauerstoff bekommt und gut wachsen kann. Außerdem können später die kleinen Pilze aus diesen Löchern wachsen.

Sobald der ganze Eimer präpariert ist, müssen wir unser Substrat vorbereiten. Wie bereits gesagt benötigt der Pilz zum Wachsen ausreichend Nährstoffe und Feuchtigkeit. Die Nährstoffe zieht er aus den Hackschnitzeln. Die Feuchtigkeit fügen wir jetzt zu den Hackschnitzeln hinzu. Da wir verhindern wollen, dass unser Pilz mit jeglichen konkurrierenden Mikroorganismen um die Hackschnitzel kämpfen muss, nehmen wir Wasser, erhitzen es, bis es kocht und legen die Hackschnitzel darin ein. Dadurch werden sämtliche Keime oder Kontaminationen in den Hackschnitzeln abgetötet. Die lassen wir jetzt ein paar Stunden in dem Wasser liegen.

Anschließend trennen wir Wasser und Hackschnitzel und lassen das Holz über Nacht draußen auf dem Balkon oder der Terasse in einem Behälter. Am Tag darauf nehmen wir nochmal einen Topf heißen Wassers und legen die Hackschnitzel erneut ein. Das ist zwar doppelter Aufwand, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit wirklich jede Kontamination abzutöten und somit auch die Chance auf Erfolg.


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Nachdem das Holz wieder ein paar Stunden eingelegt war, kannst du das Wasser absieben und wir können beginnen unseren Eimer zu füllen. Dafür geben wir erst eine Schicht Holz, anschließend eine Schicht Körnerbrut oder Flüssigmyzel, dann wieder abwechselnd Holz und Pilzbrut, bis der Eimer gefüllt ist. Ziel ist es, die Pilzbrut so gleichmäßig wie möglich zu verteilen, damit der Pilz so schnell wie möglich das ganze Substrat kolonisieren kann.

Jetzt muss nur noch der Deckel drauf und schon kann das Myzel mit seiner Arbeit beginnen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollte das komplette Substrat im Eimer mit lauter dichten, weißen Fäden überwachsen sein. Da der Austernseitling ein recht aggressiver Pilz ist, kann es sogar sein, dass sich bereits kleine Pilze beginnen an den Löchern des Eimers zu bilden. Sollte dies noch nicht der Fall sein, benötigt das Myzel noch ein paar Tage länger.

Sobald sich erste Primordien zeigen, ist es an der Zeit die Plastiktüte über den Eimer zu stülpen. Ab jetzt solltest du täglich zwei bis drei Mal die Innenseite der Plasitktüte mit Wasser besprühen. Dadurch bildet sich ein kleines, feuchtes, warmes Mikroklima unter der Plastikhaube. Das wiederum sind die perfekten Voraussetzungen zum Wachsen der Austernseitlinge. Diese sollten jetzt beginnen richtig an Größe zuzulegen. Sobald sie zu groß für die Plastiktüte werden, kannst du diese runternehmen. Anschließend solltest du die Pilze weiterhin besprühen, bis sie ein schönes, großes Büschel ergeben.

Sobald jetzt die äußeren Ränder der Pilzkappen beginnen nach oben zu biegen, wird es Zeit die Pilze zu ernten. Sobald die Kappen bereits komplett aufgeklappt sind, sind sie überreif und beginnen sie zäh zu werden. Aufpassen an diesem Punkt, da das sehr schnell gehen kann.

Sobald du deine Pilze geerntet hast, kannst du das Substrat ein bisschen stehen lassen und immer wieder mal gießen. Nach ein paar Tagen sollten die nächsten Pilze beginnen zu wachsen und du kannst nochmal ernten.


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