SliderPic3Small
Flüssigkultur zum Pilze anbauen, wie und warum?
Flüssigkultur zum Pilze anbauen, wie und warum?
Der erste Schritt im Pilzanbauprozess - wie erstellt man eine (Flüssig-)Kultur
Flüssigkultur1

Was ist eine Flüssigkultur?

Eine Flüssigkultur ist eine sterilisierte Nährstofflösung, welche verwendet wird um darin Pilzmyzel wachsen zu lassen und aufzubewahren. Diese Nährstofflösung besteht in der Regel aus Wasser und einem zuckerhaltigen Medium wie Sirup oder Honig.

Ich verwende für meine Flüssigkulturen meistens ein Honig-Wasser-Gemisch, da beide Zutaten jederzeit im Haushalt verfügbar sind. Der Nachteil am Honig ist die Farbe, da man nicht so leicht erkennt, wie gut das Myzel wächst. Aber meiner Meinung nach ist das ein Nachteil, mit dem ich Leben kann.

Meistens wird eine Malz-Extrakt-Lösung als perfektes Flüssignährmedium angepriesen, da ich aber nicht ständig Malz-Extrakt zuhause habe, greife ich auf den Honig zurück. Du kannst aber gerne auch Malz-Extrakt verwenden und mit Wasser vermischen, das funktioniert genauso.

Wie stelle ich eine Flüssigkultur her?

Damit der Pilz optimal wachsen kann, benötigt er ausreichend Zucker. Es darf aber auch nicht zu viel Zucker sein, da der Pilz dann nur noch langsam oder gar nicht mehr wächst. Als Richtwerte sollten 4-5% genommen werden. Das bedeutet 4-5g Honig auf 100g Wasser. Dieses Gemisch wird dann anschließend sterilisiert bzw. abgekocht und mit Myzel beimpft. Danach werden die Gläser ein paar Tage bei Zimmertemperatur im dunklen abgestellt, bis sich das Myzel beginnt zu vermehren und einen Klumpen bildet.

Flüssigkultur2

Nochmal kurz zusammengefasst:

  1. Honig-Wasser-Gemisch herstellen
  2. Sterilisieren bzw. Pasteurisieren
  3. Mit Pilz beimpfen
  4. Warten, bis das Myzel wächst

Schritt für Schritt Anleitung zur Herstellung einer Flüssigkultur für die Pilzzucht

Schritt 1: Die Mixtur herstellen

Als erstes benötigst du ein Glas mit einem Deckel. Im Optimalfall nimmst du dafür ein Einwegglas mit einem präparierten Deckel mit Einstichöffnung für eine Spritze. Solltest du so etwas nicht haben und nicht kaufen wollen, dann kannst du einfach ein leeres Gurken- oder Senfglas verwenden, ein Loch in den Deckel stanzen und es anschließend mit Watte versiegeln.

Fülle das Glas ca. dreiviertel mit Wasser, aber messe ab, wie viel es ist, damit du dann auch das richtige Verhältnis Honig dazugeben kannst. Dann berechnest du, wieviel Honig du benötigst und gibst ihn hinzu. Kleiner Tipp am Rande: destilliertes Wasser eignet sich am besten für Flüssigmyzel, ist aber nicht zwingend notwendig.

Anschließend rührst du das Gemisch um, bis sich der Honig einigermaßen aufgelöst hat.

Schritt 2: Flüssigmyzel sterilisieren

Jetzt kannst du dich entscheiden. Entweder du verwendest einen Dampfdruckkochtopf zum Sterilisieren. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Flüssigmyzel kontaminiert wird geringer. Oder alternativ kannst du die Honig-Wasser-Lösung auch abkochen. Dafür schüttest du sie in einen Topf, erhitzt den Topf, bis die Flüssigkeit kocht und lässt sie dann ca. 20 Minuten vor sich hin kochen. Dabei solltest du aber unbedingt aufpassen, dass du ca. 100ml Wasser vorher hinzufügst, denn schließlich verdampft auch ein nicht unerheblicher Anteil und das würde dann das Verhältnis der Lösung ändern.

Wenn du dich für die Dampfdruckkochtopvariante entscheidest, nimmst du am besten den Kochtopf, stellst eine Einlage rein, die Gläser Flüssiglösung darauf und kochst das Ganze ca. eine halbe Stunde lange. Anschließend solltest du den Kochtopf von alleine kühlen lassen um ein Zerspringen der Gläser im inneren durch den Druckausgleich zu verhindern.

Flüssigkultur3

Schritt 3: Beimpfen

Nachdem die Gläser jetzt runtergekühlt sind, kannst du beginnen sie zu beimpfen. Dafür verwendest du am besten eine Plastikbox, die du umdrehst und entweder zwei Öffnungen reinschneidest, wo du deine Hände reinstecken kannst, oder du öffnest die Box einen Spalt, sodass du deine Hände darunter durchstrecken kannst. Alternativ kannst du auch die Box so auf einen Tisch stellen, dass zwischen Boxrand und Tischkante ein Spalt für die Hände bleibt.

In dieser umgedrehten Box kannst du jetzt das Glas nehmen, den Deckel runterschrauben und ein Stück Myzel hineingeben. Am besten eignet sich dabei ein Stück von einer Petrischalenkultur.

Selbstverständlich kannst du die Flüssigkultur auch mit einer anderen Flüssigkultur aus einer Spritze beimpfen. Diese findest du im Internet.

Schritt 4: Warten

Das ist der anstrengendste und nervigste Schritt des ganzen Prozesses. Jetzt heißt es warten. Das Myzel beginnt jetzt innerhalb der nächsten Tage zu wachsen. Dafür benötigt es jedoch die richtige Temperatur. Deswegen solltest du das Glas an einen Platz stellen, der ca. 25°C bzw. Zimmertemperatur hat. Außerdem sollte das Glas keine direkte Sonneneinstrahlung abbekommen. Absolute Dunkelheit ist nicht zwingend notwendig, aber auch kein Problem. Durch das Loch im Deckel sollte ausreichend Sauerstoff für das Myzel vorhanden sein.

Wie verwendet man eine Flüssigkultur?

Am besten verwendest du eine Flüssigkultur wie jede andere Kultur: indem du sie so steril wie möglich auf das passende Substrat bekommst.

Dafür nimmst du am besten eine Spritze her. Spritzen kannst du ohne weiteres im Internet kaufen. Bevor du die Flüssigkultur in die Kanüle ziehst, solltest du vorher 2-3-mal kochendes Wasser reinziehen, um sie zu sterilisieren. Alternativ kannst du auch bereits sterile Spritzen kaufen.

Anschließend wischst du den Deckel des Flüssigmyzelglases mit einem Papiertuch und Reinigungsalkohol ab. Danach wartest du bis der Alkohol verdampft ist und erhitzt die Nadel der Spritze mit einem Feuerzeug, bis sie glühend rot wird. Bitte niemals sofort nach dem Abwischen des Glases mit Alkohol das Feuerzeug verwenden. Sonst kann das Ganze schnell Feuer fangen!

Danach führst du die Nadel in das Loch an der Watte vorbei, kippst ggf. das Glas, sodass die Nadel in der Flüssigkeit ist und ziehst jetzt das Flüssigmyzel in die Spritze hinein.

Flüssigkultur4

Woran sehe ich, ob die Flüssigkultur gut oder schlecht ist?

Der Pilz wenn wächst, ist er ein Geflecht aus kleinen, weißen Fäden. Das erinnert an eine Wolke, welche in der Flüssignährlösung schwimmt. Der Rest der Flüssigkeit ist in der Regel durchsichtig. Außerdem sieht man, wenn man das Ganze für ein paar Tage stehen lässt, wie auf der Oberfläche weißes Myzel wächst.

Wenn die Kultur kontaminiert ist, sieht man das ziemlich schnell. Dann wächst ein bunter Flaum auf der Oberfläche. Außerdem ist die Flüssigkeit dann meistens undurchsichtig, milchig und trüb. Es Formen sich auch oft dunkle Klumpen.

Sollte deine Kultur kontaminiert aussehen, kannst du ein wenig davon in eine Spritze geben und ein klein wenig Körnerbrut beimpfen. Danach siehst du, ob Schimmel oder der gewünschte Pilz darauf wächst. Im Zweifelsfall würde ich aber eine potenziell kontaminierte Flüssigkultur aussortieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.